Am 11. Juni 2015 feierte der DHB - Netzwerk Haushalt sein 100-jähriges Verbandsjubiläum.

Unter dem Motto "Der DHB im Wandel der Zeit - 100 Jahre für Familie & Haushalt" erlebten rund 800 Mitglieder einen würdigen Festakt im Hotel und TagungszentrumEstrel in Berlin.

Nach der Begrüßung durch die Präsidentin, Angelika Grözinger, überbrachten der Bezirksbürgermeister von Berlin-Spandau, Helmut Kleebank und Dr. Susanne Woelk, Geschäftsführerin der Aktion DAS SICHERE HAUS, Grußworte. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Klassik-Ensemble „Blooming Roots“.

In den Festreden wurde sowohl Rückblick gehalten auf 100 Jahre Verbandsarbeit als auch die Arbeit der Gegenwart gewürdigt und ein Blick in die Zukunft gewagt.

Karin Wiedemann, Staatssekretärin a.D.: „Das bis heute Erreichte verdankt das Netzwerk Haushalt der Beharrlichkeit und dem Realitätssinn der prägenden Frauen in der 100jährigen Geschichte des Hausfrauenbundes. Sie konnten 1915 mitten im Ersten Weltkrieg ihre Stimme erheben und Einfluss gewinnen. Die Weiterbildung von Frauen und Mädchen insbesondere der Systematisierung der Hausarbeit und des Kochens wurde eine der wichtigsten Aufgaben in den ersten Jahren nach der Verbandsgründung“. 1924 erarbeiteten Verbandsfrauen den ersten Lehrvertrag zur Ausbildung der geprüften Hausgehilfin und im folgenden Jahr die Prüfungsordnung für Hauswirtschaftsmeisterinnen. Ein wichtiger Schritt zur Anerkennung der Hausarbeit als qualifizierte Berufsarbeit.

Der Berliner Verein betrieb bereits ein Labor zur Prüfung von Lebensmitteln, in Leipzig wurde die erste Verbraucherberatungsstelle eröffnet.

Bevor die Reichsfrauenführerin nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ihre Absicht verwirklichen konnte, die Ortsgruppen des Hausfrauenbundes zum 1.1.1936 vollständig in die NS-Organisation „Deutsches Frauenwerk“ zu integrieren, löste sich der Verband 1935 selbst auf.

Im Juni 1949 schlossen sich in Eutin die neu gegründeten Hausfrauenvereine zum Deutschen Hausfrauen-Bund e.V. als Nachfolgeorganisation des Reichsverbandes Deutscher Hausfrauenvereine zusammen.

Männer und Frauen, die einen Haushalt führen, brauchen eine starke Stimme. Das Wissen um Ernährung und Hygiene zu erhalten und zu stärken, die Kenntnisse über Organisation und Abläufe in einem Haushalt zu vertiefen, den Umweltschutzgedanken auch in die privaten Haushalte zu bringen, Verbraucherrechte zu stärken und vor allem den Wert von Haushaltsführung im Bewusstsein der Gesellschaft zu verankern ist nach wie vor Aufgabe des DHB. Das Management von Haushalten – bezahlt und unbezahlt - ist ein Berufszweig mit großer Verantwortung für die Gesellschaft.

Professor Dr. Maria Böhmer, Vorsitzende der Frauen Union der CDU und Mitglied im DHB, berichtete in ihrer Rede über die Gründung von hauswirtschaftlichen Dienstleistungszentren Mitte der 90 er Jahre. Sie hat sich auf der politischen Ebene für die Gründung solcher unternehmen stark gemacht und die Entwicklung engagiert begleitet.

Heute gibt es bundesweit viele Dienstleistungszentren. Mit dem Haushaltsscheck können Haushaltskräfte einfach und unbürokratisch beschäftigt werden. Die Beträge für die steuerliche Absetzbarkeit für haushaltsnahe Dienstleistungen wurden sukzessive angehoben. Schwarzarbeit ist zwar immer noch viel zu stark verbreitet, dennoch ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit regulärer Beschäftigung gewachsen. „Jetzt geht es um die Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0“, so die Vorsitzende der Frauen Union. „Frauen sollten sich mit allem Nachdruckeinmischen, um die Zukunft mitzugestalten“, ermunterte Maria Böhmer die DHB Mitglieder.

 Heute gibt es ganz andere Herausforderungen als vor 100 Jahren, wie gesunde Ernährung, Hygiene in der Küche und im gesamten Haushalt und die Beantwortung der nicht trivialen Frage, wie die Wäsche sauber wird, begann Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband, seine Rede. Er betonte die besondere Rolle des DHB, da Wissen nicht mehr – wie noch Mitte des 20. Jahrhunderts – von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird.

Was verbindet den Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. besonders mit dem DHB – Netzwerk Haushalt? Der Deutsche Verband der Hausfrauen hat schon im Jahr 1927 eine Beratungsstelle für Verbraucher in Berlin eröffnet, 30 Jahre bevor die Verbraucherzentralen in den westdeutschen Bundesländern gegründet wurden. Somit ist es fast eine logische Schlussfolgerung, dass der DHB im Jahr 1953 einer der Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände war, einer der Vorgängerorganisationen aus denen sich der Verbraucherzentrale Bundesverband im Jahr 2000 gegründet hat und der DHB war im Jahr 1957 ebenso an der Gründung der Verbraucherzentralen beteiligt.

Klaus Müller sprach auch über die Rolle der Verbraucherverbände hinsichtlich TTIP, dem transatlantischen Freihandelsabkommen. TTIP sollte nicht kategorisch abgelehnt werden, jedoch auch nicht kritiklose Zustimmung erfahren. Es sei wichtig Chancen und Risiken aufzuzeigen. Als weitere gemeinsame Themen nannte Klaus Müller den Erhalt der Kochkultur und die Wertschätzung von Lebensmitteln.

 Bei einem Buffet mit Berliner Köstlichkeiten ließen die Gäste und Mitglieder den Festakt bei angeregten Gesprächen ausklingen.