Prävention und Therapie des Diabetes durch richtige Lebensmittelauswahl

Die ganztägige Schulung fand am 18. November in Gießen statt und war gut besucht. Aus ganz Hessen waren DHB-Frauen angereist, um sich weiterzubilden. Im ersten Programmteil ging es um Prävention und Therapie von Diabetes durch richtige Lebensmittelauswahl. In unserer alternden Gesellschaft tritt Diabetes gehäuft auf, so die Referentin Dr. Ulrike Kreinhoff. Mittlerweile gäbe es sechs Millionen Diabetiker in Deutschland, damit sei jeder Achte erkrankt. 95 Prozent der Betroffenen sind Diabetiker vom Typ 2, der eng mit Übergewicht korreliert ist. Seit den 1960er Jahren hat diese Krankheit parallel zum Anstieg der Zahl übergewichtiger Menschen deutlich zugenommen. Früher sprach man beim Typ 2 von Altersdiabetes, heute sind aber nicht mehr nur alte Menschen betroffen, sondern viele junge, auch Kinder. Kreinhoff sagte, Diabetes hänge eng mit den Fragen zusammen: „Wie esse ich? Was esse ich? Wie bewege ich mich?" Eine aktuelle Studie habe gezeigt, dass „Leute, die sich ausschließlich mit Vollkorn ernähren, kein Diabetes bekommen." Auch in der Therapie ist heute eine ausgewogene, vollwertige Mischkost angesagt, wie sie von der DGE auch für Gesunde generell empfohlen wird. Spezielle Diabetiker-Produkte bringen gegenüber normalen Lebensmitteln keine Vorteile; ab 2012 soll es sie auf dem Markt nicht mehr geben. Sie enthalten zwar weniger Glukose, aber dafür häufig einen höheren Fettanteil. Daraus resultiert möglicherweise eine höhere Energieaufnahme, die sich wiederum ungünstig auswirken kann.

DHB-Fachtagung Ernährung

 

Damit der Zucker vom Blut in die Zelle gelangt, ist Insulin erforderlich. Neben der eigentlichen Menge dieses Hormons, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, sind sogenannte Rezeptoren nötig, die zusammen mit dem Insulin nach einem Schlüssel-Schloss-Prinzip funktionieren und die Glukose für die Zellen verfügbar machen. In letzteren werden die Kohlenhydrate entweder gespeichert oder in Energie umgewandelt. Bei Übergewicht braucht der Körper viel Insulin; nimmt der Patient ab, ist die Insulinmenge wieder ausreichend. „So wird man vom Diabetiker zum Nichtdiabetiker“, erklärte Kreinhoff den anwesenden Frauen.
Der Diabetes mellitus Typ 1 ist durch absoluten Insulinmangel bedingt, weil die Bauchspeicheldrüse dieses Hormon nicht ausreichend produziert. Daher steht in der Therapie an erster Stelle die Insulinbehandlung, d. h. es muss Insulin gespritzt werden. Dies ist beim Diabetes mellitus Typ 2 in der Regel nicht erforderlich. Auf seine Entwicklung nehmen in hohem Maße das Körpergewicht und der Lebensstil Einfluss. Hier ist primär auf eine vollwertige Ernährung, gepaart mit viel Bewegung, zu achten. Bei Bedarf müssen Tabletten zur Anregung der Insulinproduktion genommen werden oder in Einzelfällen kann auch eine Insulinbehandlung erforderlich sein. Doch meistens gilt bei Diabetes Typ 2: Wer abnimmt, auf die Ernährung achtet und sich genügend bewegt, braucht im Normalfall keine Medikamente.

Hinsichtlich des Lebensstils käme es darauf an, mehr Spaß an der Bewegung zu entwickeln. Es gelte vor allem die Alltagsbewegungen zu intensivieren. So verbessern, laut der Ernährungsexpertin, 9000 Schritte den Diabetes schon um 26 Prozent. Zum Lebensstil gehört selbstverständlich auch die Ernährung. Die moderne Diabetes-Kost ist eine vollwertige Ernährung, betonte Kreinhoff. Die komplexen Kohlenhydrate von Vollwertprodukten lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Meist erreicht er auch nicht das Niveau wie bei einfachen Zuckern. Kohlenhydrate sollten zudem gleichmäßig auf alle Mahlzeiten verteilt werden, damit der Blutzuckerspiegel nicht kurzzeitig zu hoch ansteigt. Zucker ist in der Diabetes-Ernährung kein Tabu mehr; er sollte aber zehn Prozent der Gesamtenergie nicht überschreiten, das entspricht etwa 30 bis 50 g pro Tag.    

Worauf müssen Diabetiker bei der Ernährung achten? Sie sollten, fasste die Ernährungsexpertin abschließend zusammen, gegebenenfalls Übergewicht reduzieren, weniger gesättigte und dafür mehr ungesättigte Fettsäuren zu sich nehmen und möglichst wenig Alkohol trinken. Außerdem sollten sie weniger Fleisch und Zucker, dafür reichlich Salat, Gemüse, Hülsenfrüchte, frisches Obst  und Vollkornprodukte essen.

 Anne Mitschulat, Vorsitzende Netzwerk Haushalt Hessen

Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen
Im zweiten Teil, der etwas knapper ausfiel als der erste, referierte die DGE-Expertin über die Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen. Diese seien ein Feld der Mediziner, bezüglich der Ernährung gebe es vergleichsweise wenige Forschungsergebnisse und auch keine gültigen Empfehlungen. Die Ernährung könne in der Therapie von rheumatischen Erkrankungen immer nur ein Teil neben der medikamentösen und physikalischen Behandlung sein, d. h. die medizinische Therapie ergänzen. Meist würde es allerdings etwas dauern, bis sich die Ernährungsumstellung im Körper bemerkbar macht.

Rheuma ist der Überbegriff von einer Vielzahl von Krankheiten, die sich in vier Hauptgruppen gliedern lassen: rheumatische Arthritis, Arthrose, Weichteilrheuma und Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie Gicht. Die Mehrzahl der Betroffenen sind ältere Menschen. Nach Schätzungen der Rheuma-Liga sind mindestens 15 Prozent der Bevölkerung einmal im Jahr wegen rheumatischer Beschwerden in ärztlicher Behandlung.

Bei Rheuma sollten keine oder nur wenige Lebensmittel gegessen werden, die entzündungsfördernd sind. Fette spielen hier eine große Rolle. So sei insbesondere die Arachidonsäure, eine Fettsäure, Ausgangssubstanz für entzündungsfördernde Stoffe im Körper. Arachidonsäure kommt nur in tierischen, nicht aber in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Besonders reich sind beispielsweise Schweinschmalz, Leber, Eigelb und fettes Fleisch. Fettreiche tierische Lebensmittel sollten deshalb bei Rheuma gemieden und die Zufuhr von Arachidonsäure auf 80 Milligramm pro Tag begrenzt werden. Die Bundesbürger verzehren jedoch durchschnittlich das Drei- bis Vierfache dieser Menge.

Gegenspieler der Arachidonsäure sind Omega-3-Fettsäuren. Sie sollten reichlich mit der Nahrung aufgenommen werden. Gute Quellen hierfür sind Fisch wie Makrele, Lachs und Hering. Auch Raps-, Lein-, Soja- und Walnussöl sind reich an Omega-3-Fettsäuren und sollten bei rheumatischen Erkrankungen Öle der Wahl sein.

In der Regel haben Rheumapatienten, die sich vegetarisch ernähren, weniger Beschwerden. Darum lautet die Devise der Ernährungswissenschaftlerin: „Weniger tierische Lebensmittel, dafür viel, viel mehr pflanzliche!" Die sind auch wichtig, weil sie beispielsweise Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C, β-Carotin und weitere sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe enthalten. Darum gilt auch hier die Empfehlung, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen.

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